Das Methodius-ABC enthält eine Auswahl grundlegender Begriffe aus den Bereichen Forschung, Beratung und angewandte Lebenswissenschaft.
Die Begriffe wurden nach bestem wissenschaftlichem Ermessen ausgewählt und erläutert. Eine vollständige Erfassung des menschlichen Lebens kann aufgrund des Umfangs nicht gewährleistet werden.
Im wissenschaftlichen Alltag werden zahlreiche Begriffe verwendet, deren genaue Bedeutung nicht immer unmittelbar ersichtlich ist. Das Methodius-ABC dient der einheitlichen Einordnung dieser Begriffe und schafft damit eine Grundlage für die weitere wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Leben.
Die Erläuterungen orientieren sich an der am Methodius-Institut üblichen wissenschaftlichen Praxis. Abweichungen von anderen Definitionen sind möglich und gegebenenfalls Gegenstand weiterer Untersuchungen.
Wissenschaftliche Untersuchung eines alltäglichen Sachverhalts. Die Auswahl des Gegenstands erfolgt in der Regel nach dem Grundsatz, dass etwas nicht deshalb uninteressant sein muss, weil es ohnehin jeden Tag passiert.
Teilgebiet der Lebenswissenschaften, das sich mit der systematischen Entwicklung, Untersuchung und Dokumentation von Ratschlägen beschäftigt, deren praktische Folgen nicht zwingend mit ihrer ursprünglichen Zielsetzung übereinstimmen.
Zeitraum zwischen Aufstehen und Zubettgehen, in dem zahlreiche Vorgänge stattfinden, die bei genauer Betrachtung einer wissenschaftlichen Untersuchung zugänglich wären.
Konkrete Situation, auf die eine wissenschaftliche Erkenntnis, eine Empfehlung oder ein Ratgeber angewendet werden kann. Nicht jede Anwendung führt zu einer Verbesserung.
Festgestellte Differenz zwischen dem erwarteten und dem tatsächlichen Verlauf eines Vorgangs. Bei ausreichender Untersuchung kann aus einer Abweichung ein Forschungsgegenstand werden.
Versuch, einer Person bei der Lösung eines Problems behilflich zu sein. Eine erfolgreiche Beratung setzt nicht zwingend voraus, dass das Problem anschließend gelöst ist.
Zustand, in dem eine Person den Eindruck hat, eine Entscheidung nicht ohne fremde Unterstützung treffen zu können. Der Beratungsbedarf kann durch die Beratung sowohl verringert als auch präzisiert werden.
Ergebnis einer Beobachtung oder Untersuchung. Ein Befund ist zunächst lediglich vorhanden und muss nicht notwendigerweise erfreulich sein.
Systematische Wahrnehmung eines Vorgangs mit dem Ziel, diesen später als Erkenntnisgrundlage verwenden zu können.
Verfahren zur vergleichenden Betrachtung verschiedener Möglichkeiten. Wird häufig eingesetzt, wenn eine eindeutige Entscheidung nicht möglich oder nicht erwünscht ist.
Dauerhafter Zustand zwischen mehreren grundsätzlich vertretbaren Möglichkeiten. Eine Behandlung ist nicht immer erforderlich, kann aber zu weiteren Entscheidungsmöglichkeiten führen.
Gesamtheit der zu einem Untersuchungsgegenstand verfügbaren Daten. Eine unzureichende Datenlage kann die Aussagekraft einer Untersuchung einschränken, muss deren Durchführung jedoch nicht verhindern.
Wissenschaftliche Einordnung eines beobachteten Problems. Eine Diagnose beschreibt einen Zustand und enthält daher nicht automatisch einen Lösungsvorschlag.
Statistisch ermittelter Wert, der eine Gruppe beschreibt, ohne notwendigerweise eine einzelne Person besonders gut zu beschreiben.
Schriftliche oder bildliche Festhaltung eines Sachverhalts. Eine sorgfältige Dokumentation kann später den Eindruck erwecken, dass ein Vorgang von Anfang an geplant gewesen sei.
Gesamtheit der verfügbaren Hinweise, die zur Beurteilung einer Aussage herangezogen werden können. Je nach Fragestellung kann bereits eine begrenzte Evidenz zu einer umfangreichen Diskussion führen.
Erkenntnisgewinn durch Beobachtung, Erfahrung oder systematische Datenerhebung. Im Unterschied zur bloßen Vermutung verfügt die Empirie zumindest über einen beobachtbaren Ausgangspunkt.
Grad, in dem eine Aussage aufgrund vorhandener Beobachtungen nachvollziehbar erscheint. Sie ersetzt den vollständigen Nachweis nicht in jedem Fall, kann diesen aber zeitlich deutlich vorwegnehmen.
Ergebnis eines Vorgangs, nach dessen Abschluss man über mehr Wissen verfügt als zuvor. Nicht ausgeschlossen ist die Erkenntnis, dass man bereits vorher recht hatte.
Dokumentierte Darstellung eines konkreten Problems einschließlich Vorgeschichte, Beobachtungen, Einordnung und gegebenenfalls weiterer wissenschaftlicher Maßnahmen.
Beratung, deren Ergebnis von der ratsuchenden Person als nicht hilfreich empfunden wird. Ob bereits die Beratung oder erst ihre Umsetzung als Ursache anzusehen ist, bedarf einer gesonderten Untersuchung.
Präzise formulierte Frage, der eine Untersuchung nachgeht. Eine gute Forschungsfrage zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie sich mit vertretbarem Aufwand untersuchen lässt.
Sachverhalt, dem sich eine wissenschaftliche Untersuchung widmet. Grundsätzlich kann nahezu jeder Gegenstand Forschungsgegenstand werden, sofern sich eine entsprechende Fragestellung formulieren lässt.
Eigenschaft einer Aussage oder eines Ergebnisses, innerhalb eines bestimmten Zusammenhangs als zutreffend angesehen werden zu können.
Zusätzliche Prüfung eines Ergebnisses mit dem Ziel, festzustellen, ob es auch unter veränderten Bedingungen Bestand hat.
Regelmäßig wiederkehrendes Verhalten, dessen ursprünglicher Grund häufig nicht mehr bekannt ist. Gerade deshalb eignet es sich für Untersuchungen.
Vorläufige Annahme über einen möglichen Zusammenhang. Eine Hypothese sollte grundsätzlich überprüfbar sein, darf aber zunächst auch falsch sein.
Aus einer Untersuchung abgeleiteter Vorschlag für das weitere Vorgehen. Die Umsetzung einer Handlungsempfehlung liegt grundsätzlich außerhalb des wissenschaftlichen Verantwortungsbereichs.
Zusätzliche Annahme, die erforderlich wird, wenn die ursprüngliche Annahme zur Erklärung eines Sachverhalts nicht vollständig ausreicht.
Gesamtheit der Vorgänge innerhalb einer wissenschaftlichen Einrichtung, die nicht unmittelbar Bestandteil einer Untersuchung sind und dennoch gelegentlich dokumentiert werden.
Sinnvolle Deutung von Beobachtungen oder Daten. Eine Interpretation beginnt dort, wo die Daten allein nicht mehr ausreichen.
Abweichung zwischen einer angenommenen und einer tatsächlich gegebenen Sachlage. Irrtümer können wissenschaftlich wertvoll sein, insbesondere wenn sie dokumentiert wurden.
Regelmäßig erscheinende Zusammenfassung der Aktivitäten eines Instituts innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Nicht jede darin aufgeführte Aktivität muss wissenschaftlich abgeschlossen sein.
Sprachliche Erscheinungsform, die insbesondere bei jüngeren Sprecherinnen und Sprechern beobachtet werden kann. Aufgrund ihrer hohen Veränderungsgeschwindigkeit eignet sie sich nur eingeschränkt für langfristige Schlussfolgerungen.
Statistischer Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen. Eine Korrelation bedeutet nicht automatisch, dass eines der Merkmale für das andere verantwortlich ist.
Vergleichsgruppe innerhalb einer Untersuchung. Sie dient unter anderem dazu, festzustellen, ob ein beobachteter Effekt tatsächlich auf die untersuchte Maßnahme zurückgeführt werden kann.
Sachverhalt, der von einer üblichen Erwartung abweicht und deshalb besondere Aufmerksamkeit erhält. Die wissenschaftliche Bedeutung einer Kuriosität ist nicht immer unmittelbar erkennbar.
Gesamtheit der tatsächlich erlebten Bedingungen des Alltags. Sie kann erheblich von theoretischen Annahmen über den Alltag abweichen.
Gesamtheit der für eine Untersuchung herangezogenen Veröffentlichungen. Umfangreiche Literaturangaben können die Nachvollziehbarkeit erhöhen, auch wenn nicht jede Quelle unmittelbar zur Lösung des Problems beiträgt.
Einschränkung einer Untersuchung. Die vollständige Aufzählung aller Limitationen kann dazu führen, dass die ursprüngliche Untersuchung erheblich länger erläutert werden muss als ihre Ergebnisse.
Gesamtheit der Verfahren, mit denen eine wissenschaftliche Fragestellung untersucht wird. Die Wahl der Methodik beeinflusst unter anderem, welche Ergebnisse überhaupt entstehen können.
Grundsatz des Methodius-Instituts, wonach auch solche Vorgänge wissenschaftlich untersucht werden können, deren praktische Bedeutung sich erst nach Abschluss der Untersuchung erschließt.
Abweichung zwischen dem gemessenen und dem tatsächlichen Wert. Messfehler sind nicht zwingend vermeidbar, sollten aber möglichst nicht mit neuen Forschungsergebnissen verwechselt werden.
Wiederkehrende Struktur innerhalb einer Reihe von Beobachtungen. Ein Muster kann auf einen Zusammenhang hinweisen, ohne diesen bereits zu erklären.
Beleg für das Vorliegen eines bestimmten Sachverhalts. Im Rahmen des Methodius-Studiums kann ein Nachweis zugleich den erfolgreichen Abschluss eines Studienabschnitts dokumentieren.
Zusätzliche Folge einer Maßnahme, die nicht unmittelbar beabsichtigt war. Nebenwirkungen sind nicht grundsätzlich negativ, müssen aber berücksichtigt werden.
Fall, der innerhalb einer betrachteten Gruppe als typisch angesehen werden kann. Der Normalfall ist statistisch relevant, individuell jedoch nicht immer besonders hilfreich.
Grad, in dem ein Ergebnis unabhängig von der Person zustande kommt, die eine Untersuchung durchführt. Vollständige Objektivität ist ein anspruchsvolles Ziel und sollte nicht vorschnell angenommen werden.
Übersetzung eines theoretischen Begriffs in konkrete, messbare Merkmale. Besonders relevant ist dies bei Begriffen, die im Alltag verständlich, wissenschaftlich jedoch schwer messbar sind.
Eigenschaft einer Aussage, die aufgrund vorhandener Informationen nachvollziehbar erscheint. Plausibilität ist nicht mit Beweisbarkeit gleichzusetzen.
Wissenschaftlich anmutende Veröffentlichung zu einer Fragestellung, deren Form, Methodik und Schlussfolgerungen sich an etablierten wissenschaftlichen Gepflogenheiten orientieren.
Bewusste oder unbewusste Entscheidung, ein bestehendes Problem zunächst nicht zu bearbeiten. Unter bestimmten Umständen kann dies eine eigenständige Untersuchungsstrategie darstellen.
Veröffentlichung eines Ergebnisses, einer Untersuchung oder eines wissenschaftlichen Gedankengangs. Mit der Publikation endet die Diskussion eines Themas nicht notwendigerweise.
Maßnahmen zur Überprüfung, ob ein Ergebnis oder ein Verfahren den zuvor festgelegten Anforderungen entspricht.
Überführung eines Sachverhalts in messbare Größen. Nicht alles, was sich zählen lässt, ist dadurch bereits vollständig verstanden.
Publikation mit dem Ziel, Leserinnen und Leser bei der Bewältigung eines Problems zu unterstützen. Die tatsächliche Wirksamkeit des Ratschlags ist vom jeweiligen Einzelfall abhängig.
Person, die sich mit einer Frage, einem Problem oder einer Entscheidung an eine beratende Stelle wendet. Ihre Ausgangssituation bildet häufig den ersten Untersuchungsgegenstand.
Bedeutung eines Sachverhalts für eine bestimmte Fragestellung. Die Relevanz eines Themas kann unabhängig von seiner Größe oder Häufigkeit bestehen.
Darstellungsform, bei der bestehende Verhältnisse, Verhaltensweisen oder Institutionen durch Überzeichnung, Nachahmung oder scheinbare Ernsthaftigkeit sichtbar gemacht werden können.
Dokument, das die erfolgreiche Teilnahme an einem Studienabschnitt bestätigt. Der Nachweis selbst stellt noch keinen Beleg dafür dar, dass das erworbene Wissen im Alltag angewendet wird.
Dokumentierter Stand der innerhalb eines Studiums erworbenen Nachweise, Kenntnisse und Zertifikate.
Ausgewählte Teilmenge einer größeren Gruppe, die stellvertretend untersucht wird. Ihre Aussagekraft hängt unter anderem davon ab, wie sie ausgewählt wurde.
Statistisches Maß zur Beurteilung, ob ein beobachteter Unterschied unter bestimmten Annahmen als zufällig angesehen werden kann. Signifikanz allein sagt nichts über die praktische Bedeutung eines Ergebnisses aus.
Sachverhalt, der aufgrund seiner vermeintlichen Offensichtlichkeit selten untersucht wird. Gerade dadurch kann er für eine Alltagsstudie interessant werden.
Systematisch entwickelte Erklärung für bestimmte Zusammenhänge. Eine Theorie muss nicht jede einzelne Alltagssituation erklären können, sollte aber erkennen lassen, warum sie dies gegebenenfalls nicht kann.
Behauptung oder Annahme, die im Rahmen einer Untersuchung begründet oder überprüft werden soll.
Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf einen anderen Anwendungsbereich. Besonders interessant wird der Transfer, wenn der ursprüngliche Zusammenhang dabei nur eingeschränkt erhalten bleibt.
Systematisches Vorgehen zur Beantwortung einer Fragestellung. Nicht jede Untersuchung führt zu einem eindeutigen Ergebnis.
Derjenige Sachverhalt, auf den sich eine Untersuchung bezieht. Er kann ein Verhalten, ein Gegenstand, eine Situation oder ein Problem sein.
Zustand, in dem ein Sachverhalt zunächst keinen Anlass zu besonderer Aufmerksamkeit gibt. Sie schließt eine wissenschaftliche Relevanz nicht aus.
Grad, in dem eine Untersuchung tatsächlich das erfasst, was sie zu erfassen vorgibt.
Vorläufige Annahme ohne abschließenden Nachweis. Eine Vermutung kann Ausgangspunkt einer Untersuchung sein und sollte nicht bereits als deren Ergebnis behandelt werden.
Geplante Durchführung einer Handlung oder Untersuchung unter möglichst kontrollierten Bedingungen. Der Ausgang eines Versuchs muss nicht mit seiner ursprünglichen Erwartung übereinstimmen.
Konkreter Vorschlag zur Optimierung eines bestehenden Zustands. Vor einer Umsetzung sollte geprüft werden, ob der bestehende Zustand tatsächlich verbessert werden muss.
Systematische Beschäftigung mit Fragen, Sachverhalten und Zusammenhängen unter Verwendung nachvollziehbarer Methoden. Wissenschaft kann auch zu dem Ergebnis kommen, dass eine Frage derzeit nicht abschließend beantwortet werden kann.
Grad, in dem eine Aussage unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Begriffe, Methoden und vorhandener Daten nachvollziehbar erscheint.
Aufnahme und Verarbeitung von Informationen aus der Umwelt. Da Wahrnehmungen individuell unterschiedlich ausfallen können, sind sie nicht ohne Weiteres mit objektiven Tatsachen gleichzusetzen.
Nicht näher bestimmter Einfluss, der bei einer Untersuchung eine Rolle zu spielen scheint, dessen genaue Bedeutung jedoch zunächst nicht festgestellt werden kann. Eine wissenschaftliche Verwendung des Begriffs sollte sparsam erfolgen.
Vertikale Achse einer grafischen Darstellung. Sie dient der übersichtlichen Darstellung von Messwerten und kann bei entsprechender Skalierung wesentlich dazu beitragen, einen Unterschied sichtbar zu machen.
Dokumentierter Nachweis über den erfolgreichen Abschluss einer bestimmten Leistung oder eines Studienabschnitts. Die Ausstellung eines Zertifikats setzt nicht zwingend voraus, dass die damit verbundenen Kenntnisse später praktisch genutzt werden.
Ereignis oder Zusammenhang, für den keine hinreichende Ursache festgestellt werden kann. Zufällige Ergebnisse können wissenschaftlich relevant sein, insbesondere wenn sie wiederholt auftreten.
Beziehung zwischen mindestens zwei beobachteten Sachverhalten. Das Vorliegen eines Zusammenhangs erlaubt zunächst keine Aussage darüber, welcher Sachverhalt den anderen verursacht.
Vorläufiges Ergebnis einer laufenden Untersuchung. Es sollte nicht mit dem endgültigen Ergebnis verwechselt werden, insbesondere wenn die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist.
Die Definitionen dieses Verzeichnisses dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine wissenschaftliche Untersuchung des jeweiligen Einzelfalls.
Begriffe können je nach Fachgebiet, Untersuchungsgegenstand und aktueller Datenlage unterschiedlich verwendet werden. Das Methodius-Institut empfiehlt daher, bei begrifflichen Unklarheiten zunächst die einschlägige Literatur zu konsultieren.
Sollte ein gesuchter Begriff nicht enthalten sein, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass er wissenschaftlich ohne Bedeutung ist. Gegebenenfalls liegt lediglich noch keine ausreichende institutseigene Definition vor.