Forschungsgebiete

Die Forschungsgebiete des Instituts ergeben sich aus der systematischen Untersuchung solcher Phänomene, deren praktische Bedeutung im Alltag regelmäßig überschätzt, unterschätzt oder ohne weitere Prüfung vorausgesetzt wird.

Die Forschung erfolgt grundsätzlich ergebnisoffen. Dies gilt insbesondere für Untersuchungen, bei denen bereits vor Beginn der Untersuchung davon ausgegangen werden kann, dass kein eindeutiges Ergebnis zu erwarten ist.

1Angewandte Fehlberatung

Die angewandte Fehlberatung bildet eines der zentralen Forschungsfelder des Instituts. Gegenstand ist die wissenschaftliche Untersuchung von Empfehlungen, deren Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Zweckmäßigkeit nicht ohne Weiteres bestimmt werden kann.

Untersucht werden insbesondere:

  • die Erzeugung plausibel erscheinender Ratschläge
  • die systematische Verlängerung einfacher Entscheidungsprozesse
  • die Umwandlung klarer Sachverhalte in beratungsbedürftige Situationen
  • die nachträgliche Begründung bereits getroffener Fehlentscheidungen
  • sowie die Frage, unter welchen Umständen ein Ratschlag auch dann als hilfreich wahrgenommen wird, wenn sein praktischer Nutzen nicht nachweisbar ist.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der präventiven Fehlberatung. Darunter versteht das Institut Empfehlungen, die eine Handlung verhindern, bevor überhaupt festgestellt wurde, ob diese Handlung erforderlich gewesen wäre.

Die Forschung hierzu befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Ein abschließendes Ergebnis liegt derzeit nicht vor.

2Statistik und empirische Plausibilität

Die Abteilung für Statistik und empirische Plausibilität befasst sich mit der quantitativen Beschreibung von Sachverhalten, deren qualitative Bedeutung bereits hinreichend unklar ist.

Im Mittelpunkt steht die Entwicklung und Anwendung geeigneter Verfahren zur Bestimmung empirischer Plausibilität.

Hierzu zählen insbesondere:

  • kleine Stichproben mit hoher Aussagekraft
  • große Stichproben mit geringer Aussagekraft
  • auffällige Zufälle
  • unauffällige Zusammenhänge
  • Korrelationen unbekannter Herkunft
  • sowie statistische Werte, deren genaue Interpretation für das Untersuchungsergebnis nicht erforderlich ist.

Ein wesentlicher Bestandteil der Forschung ist die relative Präzision. Hierbei wird untersucht, inwieweit eine Aussage durch die Angabe zusätzlicher Dezimalstellen wissenschaftlich belastbarer erscheint.

Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Zahlen mit zwei Nachkommastellen gegenüber ganzen Zahlen einen erhöhten Eindruck von Wissenschaftlichkeit erzeugen. Eine abschließende Bewertung steht noch aus.

3Strategische Faulheit

Die Forschung zur strategischen Faulheit untersucht die systematische Vermeidung vermeidbarer Tätigkeiten.

Dabei wird zwischen gewöhnlicher Untätigkeit und methodisch begründetem Nichtstun unterschieden.

Letzteres setzt nach derzeitiger Institutsdefinition mindestens eine der folgenden Voraussetzungen voraus:

  1. Die Tätigkeit könnte grundsätzlich von einer anderen Person übernommen werden.
  2. Die Tätigkeit könnte möglicherweise entfallen.
  3. Der Aufwand zur Durchführung der Tätigkeit steht in einem ungünstigen Verhältnis zu ihrem erwarteten Nutzen.
  4. Die betreffende Person ist gerade anderweitig beschäftigt.
  5. Es besteht die begründete Möglichkeit, dass sich das Problem durch ausreichend langes Warten von selbst erledigt.

Von besonderem Forschungsinteresse ist Punkt 5.

Die hierfür erforderlichen Langzeitstudien befinden sich naturgemäß noch in der Durchführung.

4Erforschung menschlicher Ausreden

Dieses Forschungsgebiet widmet sich der Untersuchung nachträglich formulierter Erklärungen für unterlassene, verspätete oder unerwartete Handlungen.

Unterschieden werden unter anderem:

  • sachliche Ausreden
  • organisatorische Ausreden
  • technische Ausreden
  • situative Ausreden
  • präventive Ausreden
  • sowie Ausreden, die erst nach kritischer Nachfrage entstehen.

Ein Schwerpunkt liegt auf der vorsorglichen Ausrede. Darunter wird eine Begründung verstanden, die bereits vor Eintritt eines möglichen Fehlers entwickelt wird und bei Bedarf unmittelbar eingesetzt werden kann.

Untersucht wird ferner, ob eine Ausrede an Überzeugungskraft gewinnt, wenn sie mit einem unnötig hohen Detailgrad vorgetragen wird.

5Zwischenmenschliche Kommunikationsforschung

Die Kommunikationsforschung des Instituts befasst sich mit der Differenz zwischen dem, was gesagt wird, dem, was gemeint ist, und dem, was anschließend behauptet wird, gesagt worden zu sein.

Besondere Aufmerksamkeit gilt kurzen Mitteilungen mit hohem Interpretationspotenzial.

Hierzu zählen insbesondere:

„Passt schon.“
„Mach, wie du meinst.“
„Kein Problem.“
„Wir schauen einfach.“

Die Forschung beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, ob diese Aussagen tatsächlich Informationen enthalten oder lediglich der Aufrechterhaltung sozialer Funktionsfähigkeit dienen.

Eine abschließende Klassifikation konnte bislang nicht vorgenommen werden.

6Angewandte Nutzlosigkeit

Die angewandte Nutzlosigkeit untersucht Tätigkeiten, Verfahren und Gegenstände hinsichtlich ihres Verhältnisses zwischen Aufwand, Komplexität und tatsächlichem Nutzen.

Hierbei wird insbesondere zwischen unmittelbarer Nutzlosigkeit und potenzieller Nutzlosigkeit unterschieden.

Während bei unmittelbarer Nutzlosigkeit bereits feststeht, dass kein erkennbarer Nutzen vorliegt, bezeichnet potenzielle Nutzlosigkeit Situationen, in denen ein Nutzen theoretisch möglich wäre, dessen Eintreten jedoch nicht zuverlässig beobachtet werden konnte.

Ein wichtiges Forschungsinstrument ist die wissenschaftliche Überqualifizierung einfacher Vorgänge.

Dabei wird ein alltäglicher Vorgang mit einer Anzahl von Fachbegriffen, Unterkategorien und Bewertungskriterien versehen, die den ursprünglichen Vorgang erheblich übersteigen.

7Optimierung unnötiger Prozesse

Die Optimierungsforschung untersucht die Verbesserung von Abläufen, deren Optimierungsbedarf vor Beginn der Untersuchung nicht eindeutig festgestellt wurde.

Typische Forschungsfragen lauten:

  • Wie lässt sich ein bereits funktionierender Ablauf weiter verbessern?
  • Wie viele Schritte kann ein dreistufiger Vorgang sinnvollerweise enthalten?
  • Ab wann übersteigt die Dokumentation einer Tätigkeit deren tatsächliche Dauer?
  • Kann die Effizienz einer Handlung gesteigert werden, ohne ihren Nutzen zu verändern?
  • Und lässt sich eine unnötige Optimierung wiederum optimieren?

Letztere Fragestellung wird derzeit im Rahmen eines interdisziplinären Langzeitprojekts untersucht.

8Methodik der wissenschaftlichen Begründung

Die Methodik der wissenschaftlichen Begründung befasst sich mit der Herstellung nachvollziehbarer Begründungszusammenhänge für Entscheidungen, deren eigentliche Ursache möglicherweise weniger wissenschaftlicher Natur war.

Hierzu werden unter anderem folgende Verfahren untersucht:

  • nachträgliche Systematisierung
  • selektive Datenauswahl
  • kontrollierte Verwendung von Fachbegriffen
  • Erhöhung der sprachlichen Komplexität
  • Bildung geeigneter Unterkategorien
  • sowie die Einführung zusätzlicher Variablen bei unbefriedigendem Ergebnis.

Ziel ist nicht die Manipulation von Ergebnissen, sondern deren methodisch angemessene Einordnung im Rahmen der jeweils gegebenen Umstände.

9Forschung zur Plausibilität

Übergeordnetes Forschungsinteresse des Instituts ist die Frage, warum bestimmte Aussagen auch dann als überzeugend wahrgenommen werden, wenn ihre empirische Grundlage begrenzt ist.

Hierzu wurde am Institut der Begriff der empirischen Plausibilität geprägt.

Empirische Plausibilität bezeichnet dabei einen Zustand, in dem eine Aussage aufgrund vorhandener Beobachtungen nicht zwingend richtig, eine gegenteilige Annahme jedoch ebenfalls nicht zwingend erforderlich erscheint.

Die praktische Bedeutung dieses Zustands ist erheblich.

Er ermöglicht es insbesondere, Forschungsergebnisse vorläufig zu veröffentlichen, obwohl weitere Forschung erforderlich ist.

Weitere Forschung ist daher grundsätzlich vorgesehen.

10Interdisziplinäre Forschung

Da die untersuchten Phänomene häufig nicht eindeutig einem einzelnen Fachgebiet zugeordnet werden können, arbeitet das Institut zunehmend interdisziplinär.

Insbesondere die Bereiche angewandte Fehlberatung, Statistik, empirische Plausibilität, strategische Faulheit und angewandte Nutzlosigkeit weisen erhebliche Überschneidungen auf.

Diese Überschneidungen werden derzeit systematisch untersucht.

Dabei ist insbesondere zu klären, ob es sich tatsächlich um Überschneidungen handelt oder lediglich um unterschiedliche Bezeichnungen für dasselbe Problem.

Auch hierzu liegen noch keine abschließenden Ergebnisse vor.

Forschungsstand

Die Forschung des Instituts befindet sich insgesamt in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess.

Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass zahlreiche Untersuchungsgegenstände einer abschließenden Bewertung bislang erfolgreich entzogen werden konnten.

Das Institut betrachtet dies nicht als methodisches Defizit.

Vielmehr wird davon ausgegangen, dass die fortbestehende Unklarheit selbst einen relevanten Forschungsbefund darstellt.

Weitere Untersuchungen sind vorgesehen.